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So fing alles an!

Zeitgleich mit der Rollberg-Siedlung wurde das Gemeinschaftshaus in den 1970er-Jahren gebaut, damit die Bewohner und ihre Familien in Ruhe außerhalb ihrer Wohnung private Anlässe feiern können. Ende der 1990-Jahre hatte der Zahn der Zeit das Haus erheblich angegriffen. Bis auf private Vermietungen hatte sich dort kein wirkliches Gemeinschaftsleben entwickelt, wie der Architekt, Prof. Oefelein, sich das sicherlich vorgestellt hatte.

Finanziert durch das Programm »Soziale Stadt« und die Eigentümerin, die STADT UND LAND Wohnbauten-Gesellschaft mbH, haben ab 1999 bis 2006 verschiedene Sanierungsmaßnahmen stattgefunden, die zum heutigen Stand geführt haben. Der verwelkte Charme der 1970er-Jahre verschwand, der Barbereich wurde neu gestaltet, Küche und Toilettenbereiche grundsaniert und eine Entlüftungsanlage installiert. In Zusammenarbeit mit dem Beschäftigungsträger BEQUIT wurde mit unterschiedlichem Erfolg immer wieder versucht, mit ABM-Projekten das Haus mit Leben zu füllen. Sehr schnell wurde dennoch klar: ohne Kontinuität und vor allem ohne Kontinuität beim Personal geht das nicht.

Anfang 2002 hatten unsere damaligen Quartiersmanager Christian John und Gilles Duhem eine Idee, die den heutigen Erfolg des Gemeinschaftshauses begründen sollte. Um die Bewohner des Rollbergs auf eine ungezwungene Art und Weise zusammen zu bringen, haben sie den Bewohnermittagstisch »Mieter kochen für Mieter« (jeden Mittwoch zwischen 12.00 und 14.00 Uhr) ins Leben gerufen. Im ABM-Team arbeitete gerade Kerstin Schaefer, die Tochter unseres Gründungs- und Vorstandsmitglieds Ingried. Sie hatte viel Erfahrung im gastronomischen Bereich. Die Gelegenheit war sehr günstig. Und so fing alles an.

Das Essen sprach sich in Windeseile herum und es dauerte nicht lange, da wurden aus den anfänglich 20 Gästen 80 bis 100, und das jeden Mittwoch. Im Juni 2003 kam dann von der Agentur für Arbeit die Nachricht, dass es kein ABM-Team mehr geben sollte. Was war jetzt zu tun? Kerstin Schaefer, ihre Mutter und Leyla Özgündüz arbeiteten nun daran, das Essen ehrenamtlich weiter zu führen. Es wurde nun ohne jegliche Bezahlung gekocht und geputzt, am Wochenende vermietet und wieder geputzt. Einige unermüdliche Bewohner halfen und helfen bis heute.

Doch so konnte es auf die Dauer nicht weitergehen. Was sollten wir tun, um dem Rollbergviertel dieses Haus als Herzstück zu erhalten?

Die ehemalige BEQUIT Mitarbeiterin Renate Muhlak wurde  Nachfolgerin von Christian John. Sie und Gilles Duhem hatten dann die zündende Idee: Das Gemeinschaftshaus sollte von einem Bewohnerförderverein getragen werden, damit eine Kontinuität und Stabilität im Betrieb des Hauses möglich würde. Nur mit einem Verein könnte es gelingen, die Bewohner des Rollbergs für das Gemeinschaftshaus zu gewinnen.

Und so trafen sich am 11. September 2003  23 Bewohner und die zwei Quartiersmanager, um den Förderverein Gemeinschaftshaus MORUS 14 e.V. zu gründen.

Die Anfangsphase war nicht einfach. Der Verein hatte überhaupt kein Geld. Einige Gründungsmitglieder und ihre Freunde haben Geld geliehen, damit er überhaupt anfangen konnte zu arbeiten. Unterstützt wurde der Verein auch durch die STADT UND LAND Wohnbauten-Gesellschaft mbH. Unser Mitglied Günter Haedke, der damals im Unternehmen arbeitete, setzte sich dafür ein, dass der Verein das Haus miet- und betriebskostenfrei erhielt. Der Verein bezahlte lediglich das Telefon und den Strom. Bis heute ist es auch so geblieben.

In der Anfangsphase unterstützten uns Jutta Overmann und Wilfred Pietschke, der erste Schatzmeister des Vereins, mit ihrem betrieswirtschaftlichen Wissen und ihren Erfahrungen im Geschäftsleben. Wolfgang Hecht beriet uns im Vereinsrecht mit seinem Fachwissen, wofür wir noch heute dankbar sind.

Da die Hiobsbotschaft der Agentur für Arbeit sich nicht bestätigt hatte und es ab Januar 2004 doch weiter ABM-Teams für das Haus gab, wurde nach wie vor mit BEQUIT und immer wieder wechselnden ABM-Teams zusammengearbeitet und kräftig privat weitervermietet, um Kiezveranstaltungen zu ermöglichen und die Kosten des Hauses und vor allem die Personalkosten des Hausleiters zu decken.

Das Modell Förderverein Gemeinschaftshaus MORUS 14 e.V. war geboren.

Viele Unterstützer sind von Anfang an dabei. Ich kann sie hier nicht alle nennen, vor allem nicht alle Privatpersonen. Sie sind zu zahlreich. Ich möchte nur das Arabische Kulturinstitut AKI e.V. und seine Mitarbeiter, die Deutsch-Arabische unabhängige Gemeinschaft, den Mädchentreff MaDonna, alle Projekte im Haus des älteren Bürgers, den Polizeiabschnitt 55 und unsere drei Kiezschulen für alle stellvertretend nennen.

Neugierig kam so manch einer schauen, was wir dort alles veranstalten und viele kamen zum Kochen wieder. Durch die gute Zusammenarbeit  mit den Quartiersmanagern und den Rollbergprojekten standen wir ab 2003 plötzlich im öffentlichen Interesse. Viele Politiker gaben sich hier im Haus die Klinke in die Hand. Sogar der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit hat hier im Herbst 2005 für den Verein gekocht und Spenden gesammelt!

Wir feierten viele Feste gemeinsam: Die fast legendären Jahresrückblickfeiern, die 48 STUNDEN NEUKÖLLN, afrikanische Feste, die unser Mitglied Essy Agboli-Gomado auf die Beine stellte, die Tamilen mit ihrem Lichterfest, das Arabische Kulturinstitut mit muslimischen Festen, christliche Feste wie Ostern, Weihnachten und Erntedank, wir könnten noch viele Veranstaltungen aufzählen. Wir alle wuchsen mit den Aufgaben. Im Laufe der Zeit kamen andere Veranstaltungen hinzu, wie die Stummfilmreihe mit Live-Klavierbegleitung, die es seit 2007 monatlich im Haus gibt.

Unsere Kritiker, die gab es auch, hätten uns gerne zu einem »Spaßverein« degradiert. Dabei wird oft verkannt, dass durch gemeinsamen Veranstaltungen (und es sind nicht nur Feste, Informationsveranstaltungen aller Art und Mieterversammlungen sind zum Beispiel auch dabei) die sehr unterschiedlichen Menschen, die im Rollbergviertel wohnen, um das Gemeinschaftshaus ein Stück zusammengewachsen sind und langsam ein »Wir«-Gefühl entwickelt haben.

Es wäre zu lang, hier in aller Ausführlichkeit die ganze Odyssee der Vereinsgeschichte darzustellen. Nach den üblichen Kinderkrankheiten und nach 3 Personalwechseln in der Leitung des Hauses scheint es, dass seit 2006 der Verein mit Frank Bourgett die ideale Besetzung zur Führung des Gemeinschaftshauses und des ABM-Teams gefunden hat. Ununterbrochen werden in diesen Räumen Kiezveranstaltungen und private Vermietungen organisiert, die dem Rollberg gut tun. Sie bringen aber auch Geld in die Kasse und decken einen Teil der Vereinskosten ab, da der Verein ohne regelmäßige staatliche Förderung auskommen muss. Ich denke dabei z.B. an das Benefizkonzert der Otto-Sinfoniker im Frühjahr 2007.

Das ist aber lange nicht alles, was der Verein macht. 2006 war der Verein Träger des Quartiersmanagements. Offenbar hatte die Berliner Verwaltung eine ganze andere Auffassung von dieser Aufgabe als der Verein. Dies führte dazu, dass dieses Experiment nur ein Jahr währte. Es war dennoch für den Verein sehr lehrreich und hat ihn in seinem Dienstleistungsgedanken für den Kiez verstärkt. So organisiert er bis heute weiter das »Netzwerk Schülerhilfe« in dem sich viele Bürger aus ganz Berlin ehrenamtlich engagieren und ca. 60 Grundschüler unseres Kiezes tatkräftig unterstützen.

Immer wieder bereichern glückliche und weniger glückliche Ereignisse das Vereinsleben. Wie in einer richtigen Familie gab es schon Hochzeiten (wie die kirchliche Trauung von drei Mitgliedspaaren im Haus Gotteshilfe am 6. September 2008) aber auch Todesfälle. Wir möchten hier an Karl Hampe erinnern, der ganz am Anfang 2. Vorsitzender war, an Christine Ponczek, die uns sehr großzügig Geld zur Verfügung stellte aber auch an Erna Schumann, eine treue Besucherin aus der Nachbarschaft.

Wir hatten das große Glück, dass unser ehemaliger Quartiersmanager, Gilles Duhem, Anfang 2007 nicht die Flinte ins Korn geworfen hat. Ein ganzes Jahr hat er ehrenamtlich die Vereinsgeschäfte geführt, strukturiert und mit neuen Projekten und Veranstaltungen ausgebaut. Mit dem Vorstand hat er kräftig die Werbetrommel gerührt, um Spenden und zusätzliche Finanzierungsquellen zu finden. Wir möchten uns an dieser Stelle ganz ganz herzlich bei allen Menschen und Institutionen bedanken, die seit 5 Jahren an diesen Verein glauben und ihn immer wieder mit kleinen und großen und sogar sehr großen Summen unterstützen.

Wo stehen wir heute? Mit seinen 126 Mitgliedern, darunter so namhafte Persönlichkeiten wie Klaus Wowereit, Alfred Biolek, Necla Kelek, Hatice Akyün als Ehrenmitglieder sowie Professor Hartmut Häussermann, ist der Förderverein Gemeinschaftshaus MORUS 14 e.V. im Norden von Neukölln eine Institution geworden, ein Ort der Kultur, des friedlichen Treffens und der gegenseitigen Befruchtung verschiedener Kulturen und Religionen. Ausgerechnet im Rollberg, der vorher durch die Presse nur für Mord, Todschlag und schlechte Schlagzeilen bekannt war! Mit seinem »Netzwerk Schülerhilfe« zeigt er meisterhaft, dass es durchaus möglich ist, viele begeisterte ehrenamtliche Helfer nachhaltig zu gewinnen, um die Kinder eines so genannten »Problemkiezes« in ihrer weiteren schulischen Entwicklung effizient zu unterstützen. Vielen Dank an jeden Einzelnen von ihnen. Sie bringen durch ihre Arbeit und ihre Ideen neue Impulse in den Rollberg und helfen uns sehr, auf unserem noch bescheidenen Niveau den großen Zielen der Integration und der Chancengleichheit der Kinder des Rollbergs ein Stück näher zu kommen.

Mit unserer Vereinszeitung und durch den Internetauftritt, den wir dem ungeheueren Engagement unseres Vorstandsmitglieds Christiane Wreege zu verdanken haben, haben der Verein und seine Mitglieder eine Stimme in der Öffentlichkeit. Vielen Dank an dieser Stelle an die verschiedenen Organisationen und Firmen, die alle 3 Monate die Druckkosten der Vereinszeitung übernehmen. Dadurch besitzt der Verein eine unabhängige und unzensierte Stimme für viele Belange und Probleme, die den Bewohnern des Rollbergviertels am Herzen liegen.

Nach wie vor bleibt natürlich unsere große Sorge die langfristige finanzielle Stabilisierung des Vereins. Ohne Moos NIX los! Die Vergangenheit hat uns gelehrt, dass wir nur auf unsere eigenen Kräfte und auf die unserer Freunde zählen können. Mitglieder und Freunde legen dafür gern Hand an. Wir erinnern uns an die Aktion »1000 Schnittchen für 1000 €«, die dem Verein eine schöne Spende bescherte. Dafür stand die alte Vereinsgarde um 4.00 Uhr morgens auf, um eifrig Brötchen zu schmieren. Und das ist nur ein Beispiel unter vielen.

Am 11. September 2008 startete eine Kampagne zur Werbung neuer Mitglieder. Nur mit vielen Mitgliedern, die alle einen kleinen finanziellen Beitrag leisten, werden wir die Zukunft des Vereins sichern.

Und das werden wir schaffen.

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 23. April 2010 um 12:26 Uhr