Der frühe Vogel und Rollberg startklar

BBR- und MSA-Prüfungsvorbereitungen für Schüler:innen der 9. und 10. Klassen - Individuelle Begleitung für Schüler:innen der gymnasialen Oberstufe

"Der frühe Vogel" startete 2017 und bietet Schüler:innen der 9. und 10. Klassen aus dem Rollbergviertel eine fachspezifische und zielorientierte Unterstützung zur Vorbereitung auf die BBR- und MSA-Prüfungen. Die kleinen Gruppen treffen sich wöchentlich immer samstags und werden durch Lehramtsstudent:innen geleitet.

Inhaltlich identisch zum Projekt „Der frühe Vogel“ richtet sich „Rollberg startklar“ seit 2020 an leistungsstärkere Schüler:innen, die das Abitur anstreben, und unterstützt sie während ihres ersten Jahres am Gymnasium bzw. in der gymnasialen Oberstufe. Zudem unterstützen wir im Rahmen von Rollberg startklar" Jugendliche bei ihrer Suche nach einem Ausbildungsplatz. 

 

Wir bedanken uns ganz herzlich bei dem Rotary Club Berlin-Spree, dem Rotary Club Istanbul Bosporus, der Stiftung Berliner Sparkasse sowie dem Odd Fellows Orden, die beide Projekte finanziell unterstützen und überhaupt ermöglichen.

Längere Projektbeschreibung

Die Bildungsprojekte „Der frühe Vogel“ und „Rollberg startklar“ bauen aufeinander auf und bilden zusammen ein dreijähriges Programm, das Jugendliche aus dem Kiez auf die Abschlussprüfungen Berufsbildungsreife (BBR), Mittlerer Schulabschluss (MSA) und ggf. das Abitur vorbereitet. Lehramtsstudierende, die selbst im Rollbergviertel aufgewachsen sind und wie die meisten unserer Jugendlichen einen Migrationshintergrund haben, unterrichten sie kontinuierlich einmal wöchentlich in den Kernfächern Deutsch, Mathe und Englisch und simulieren mit ihnen die angestrebten Prüfungen, um das Niveau ihrer schulischen Leistungen zu steigern. Zudem werden ihnen Motivation, Arbeitsdisziplin und Selbstorganisation vermittelt und ihr Selbstvertrauen gestärkt, damit sie ihre Unsicherheiten überwinden können.

Die Jugendlichen treffen sich jeden Samstag, auch während der Schulferien, in kleinen Gruppen von maximal 12 Teilnehmer:innen in den Projekträumen von MORUS 14. Für die Schüler:innen der 9. Klasse findet der Unterricht in den Fächern Deutsch und Mathematik statt; für die Schüler:innen der 10. und 11. Klasse zusätzlich im Fach Englisch. Somit koordinieren wir insgesamt acht verschiedene Kurse, die jeweils 1,5 Stunden dauern. Die meisten Teilnehmer:innen besuchen jeden Samstag alle zwei bzw. drei Kurse hintereinander. Das bedeutet für sie drei bzw. beinahe fünf Stunden intensives Lernen und Üben am Tag.

 

Ein weiterer, wesentlicher Bestandteil der Projekte ist der Austausch der Kursleiter:innen mit den Eltern in Bezug auf Fortschritte und eventuelle Schwierigkeiten, die ihre Kinder haben mögen. Dazu organisieren wir jährlich zwei Elternabenden. In Einzelgesprächen muss manchen Eltern zunächst die Wichtigkeit einer guten Bildung für die Zukunft ihrer Kinder vor Augen geführt werden, während die unrealistischen Erwartungen anderer Eltern unter Umständen gedämpft werden müssen.

 

Oft sind die teilnehmenden Schüler:innen die ersten in ihren Familien, die das Abitur erreichen und anschließend studieren können. Ohne Unterstützung aus ihrem Elternhaus fällt es ihnen aber sehr schwer, sich im Bildungssystem zu orientieren, die richtigen Entscheidungen bei ihren Wahlpflichtfächer zu treffen oder überhaupt zu wissen, was sie beruflich möchten. Viele brechen daher noch vor dem Abitur ab. An dieser Stelle stehen ihnen neben den Projektverantwortlichen auch die Kursleiter:innen individuell beratend und ermutigend zur Seite. Da sie selbst ähnlich aufgewachsen sind wie die Jugendlichen, können sie ihren Teilnehmern vermitteln: „Wenn wir es schaffen, schafft Ihr es auch!“.

 

Die Nachfrage nach einem Platz in unseren Kursen ist hoch, denn es hat sich herumgesprochen, dass die Schüler:innen bei regelmäßiger Teilnahme mit hoher Wahrscheinlichkeit einen guten Schulabschluss erreichen. Um eine regelmäßige Teilnahme zu gewährleisten, müssen die Jugendlichen daher zu Beginn des Schuljahres eine Kaution in Höhe von 50 Euro zahlen, die sie erst am Ende des Jahres zurückerhalten. Außerdem riskieren sie ihren Platz, wenn sie öfter als drei Mal unentschuldigt fehlen.

 

Für die Kursleiter - allesamt Lehramtsstudierende - stellt das Projekt eine wertvolle Erfahrung dar. Sie sind in realer Lehrfunktion tätig, in einem Kiez, der als sozialer Brennpunkt gilt, und mit einem ehrgeizigen Ziel: vielen Jugendlichen, die wahrscheinlich ohne Abschluss die Schule verlassen würden, zu einem guten Schulabschluss zu verhelfen. Zu ihren größten Herausforderungen zählt es, für eine ruhige und disziplinierte Lernatmosphäre zu sorgen und den Jugendlichen soziale Grundkompetenzen beizubringen, wie pünktliches Erscheinen bzw. rechtzeitiges Absagen. In ihren Aufgabenbereich fällt es aber auch, sie über einen langen Zeitraum hinweg für das Lernen zu motivieren.

 

Im Jahr 2019 haben 90% der Schüler:innen unserer BBR-Arbeitsgruppe ihre Prüfungen bestanden (9 von 10 Teilnehmer:innen). Diese Erfolgsquote war überdurchschnittlich gut in Anbetracht des Berliner (74 %) und Neuköllner (56 %) Durchschnitts. (Quelle: ISQ e.V. Bestehensquoten 2019). Auch die Jugendlichen der 10. Klassen konnten 2019 stolz auf ihre Ergebnisse sein: 10 von 12 Schüler:innen (83 %) der MSA-Arbeitsgruppen haben ihre Prüfungen bestanden. Auch hier heben sich die Ergebnisse „unserer“ Jugendlichen deutlich vom Berliner (58 %) und Neuköllner (47 %) Durchschnitt ab (Quelle: Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie). Es war für uns keine große Überraschung, festzustellen, dass die einzigen drei Schüler:innen, die ihre Prüfungen nicht bestanden hatten, auch die einzigen waren, die nicht regelmäßig teil genommen hatten.

 

Stand: April 2021